Am 22. Februar 2026 um 14 Uhr wird die Evangelische Kirchengemeinde Günzburg Abschied von ihrer Filialkirche in Offingen nehmen. Es ist die erste Entwidmung einer evangelischen Kirche im Dekanat Neu-Ulm im Zusammenhang mit der laufenden Immobilienbedarfsplanung.
Die Entwidmung wird von Regionalbischof Klaus Stiegler gemeinsam mit Dekan Jürgen Pommer (Neu-Ulm) und den Pfarrern Frank Bienk, Alexander Frey und Johanna Rodrian vorgenommen.
Die Versöhnerkirche wurde 1965 nach Entwürfen von Franz Lichtblau erbaut und im Januar 1966 eingeweiht.
Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts begann im Zuge der Industrialisierung der Zuzug evangelischer Christinnen und Christen nach Offingen.
Nach Ende des zweiten Weltkrieges kamen viele Heimatvertriebene nach Offingen, so dass die Zahl der Evangelischen in und um die Marktgemeinde stark zunahm. Ab 1945 wurden evangelische Gottesdienste im Kameradschaftsheim der örtlichen Filzfabrik und in der katholischen St-Leonhards-Kapelle abgehalten, bevor der Wunsch nach einer eigenen Kirche erfüllt werden konnte.
60 Jahre war die Versöhnerkirche nun das zweite Gotteshaus im ausgedehnten Gemeindegebiet der Kirchengemeinde Günzburg.
Ab Mitte 2024 hatte der Kirchenvorstand mit Überlegungen zur Zukunft der Versöhnerkirche begonnen. Auslöser waren die schwierige finanzielle Lage, aber auch der bereits seit vielen Jahren sehr schlechte Besuch der im 14tägigen Rhythmus gefeierten Gottesdienste. Als Ende 2024 der landeskirchliche Auftrag zur Immobilienbedarfsplanung erging, bestand bald Einigkeit, die Kirche nicht erst bis 2035, sondern schon zeitnah zu transformieren. Anfang Juli 2025 fand eine Gemeindeversammlung zur Zukunft des gottesdienstlichen Lebens in Offingen statt. Ende Juli fasste der Kirchenvorstand dann den einstimmigen Beschluss, die Kirche im ersten Quartal 2026 zu entwidmen, um den Weg für eine neue Verwendung des Gebäudes frei zu machen.
Derzeit gibt es Gespräche mit der Marktgemeinde über eine mögliche kommunale Nutzung.
Der geschäftsführende Pfarrer Frank Bienk blickt wehmütig zurück, aber auch mit vorsichtigem Optimismus nach vorne. Wenn die Menschen nicht mehr in die Kirche kämen, müsse diese sich aus ihren sicheren Mauern hinaus auf den Weg dorthin machen, wo die Menschen sind.
Zwar werde es auch künftig einzelne Gottesdienste zu hohen Festtagen in der katholischen St. Leohards-Kapelle geben, die die Schwestergemeinde in ökumenischer Verbundenheit angeboten habe. Daneben seien aber auch Projekte mit anderen örtlichen Partnern geplant. So sei für den Juni ein Picknick-Gottesdienst mit dem Posaunenchor geplant. Am 25. Juli wird es einen Abendgottesdienst im örtlichen Weinhaus mit anschließendem geselligem Ausklang geben.
Passend zu diesen Plänen wird am Sonntag der Weg der Gemeinde mit Osterkerze, Bibel und Abendmahlsgeschirr zur St. Leonhards-Kapelle führen, wo Regionalbischof Stiegler den Gottesdienst mit dem Segen beenden wird. Anschließend lädt die Gemeinde zum Zusammensein und Gesprächen im Weinhaus Riedmann ein.
